Wie können Kinder zu gesunden Gerichten verleitet werden? Nicht gedrängt, nicht gezwungen, sondern mit einfachen Mitteln und Omas Trickkiste. Eine aktuelle Studie zeigt effektive Methoden auf.

Neue Lebensmittel müssen oft vorgesetzt werden

Ein Kind muss ein neues Gericht etwa zwanzigmal kosten, bis es ihm schließlich irgendwann schmeckt. Diese Regel habe ich bei meinen eigenen Kindern erleben können. Sie haben zwar immer noch ihre Vorlieben – natürlich wie jeder -, lehnen aber immer weniger ab und haben Spaß am gesunden Essen.

Bei uns kommen öfters Hülsenfrüchte, viele Sorten an Gemüse, Tofu, Fisch, Nüsse, Porridge usw. auf den Tisch – nicht unbedingt die typischen Kindergerichte… Und ja, bis zum Alter von 7-8 Jahren haben meine Jungs diese mit einigen Ausnahmen auch nicht immer gern gegessen. Sie haben sie aber immer gekostet. Wir haben wegen ihnen nicht unseren Ernährungsplan geändert. Wir haben für sie mal die Bohnen oder Linsen ein wenig aussortiert, neben Tofu auch Eier angeboten, Gemüse und Nüsse fein geraspelt reingeschmuggelt.
Außerdem haben wir immer betont, wie gut diese Lebensmittel für sie sind, sie werden davon stark, klug, schnell und sie sind gut für ihre Gesundheit.

Diese Methoden haben gewirkt. Unser älterer Sohn, jetzt 12 Jahre alt, isst mittlerweile alles mit und er liebt diese Gerichte. Er frühstückt Porridge und am Wochenende Vollkorn Roggen- oder Buchweizenbrot mit Avocado oder Olivenöl und Knoblauch. Sein Lieblingsgericht ist Lachs mit Mandeln. Er liebt Eintöpfe, Suppen und Salate mit Hülsenfrüchten und schwärmt für Gemüselaibchen und Aufläufe.

Unser jüngerer Sohn wird in Kürze 8 Jahre alt, die Umstellungsphase ist sehr aufregend zu beobachten. Er möchte immer mehr mitessen, was wir und der große Bruder mögen. Mittlerweile mag er jede Art von Zwiebeln und scharfe Gewürze wie Pfeffer und Chili – damit hat auch sein Bruder damals angefangen. Derzeit isst er immer mehr Bohnen und Linsen mit, Erbsen hat er immer schon geliebt. Sein Müsli haben wir vor einem halben Jahr auf Naturjoghurt mit Hafermark, Kleie, Nüssen und Samen ablösen können. Schön langsam kommt er also auch auf den Geschmack.

Deswegen finde ich es extrem spannend, dass eine neue Studie diese Methoden nun eindeutig bestätigt hat.

Die Studie

Für eine im „Journal of Nutrition Education and Behavior“ veröffentlichte Studie haben die Forscher rund um Jane Lanigan 87 Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren sechs Wochen lang an je zwei Tagen unbeliebtes Essen vorgesetzt. Die Kinder waren in der Betreuung am Campus von zwei amerikanischen Hochschulen. Sie durften zunächst alles probieren, wie Tomaten, grüne Paprika, Linsen und Quinoa. Sie durften mit den Lebensmitteln alles machen, was sie wollten: nicht nur essen, sondern anfassen, an sie riechen, lecken. Dann sollten sie sagen, wie gerne sie diese mögen.

Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass Kinder eher bereit sind, neue Lebensmittel zu probieren, wenn sie diese öfter angeboten bekommen. Außerdem wirkt sich auch positiv aus, wenn Kinder für das Essen gelobt werden oder wenn Erwachsene gut über eine Mahlzeit sprechen.

In dieser neuen Studie haben die US-Forscher diese beiden Ansätze kombiniert.

Zwei der unbeliebtesten Lebensmittel haben die Erzieher immer wieder angeboten, eines davon auch zusätzlich noch ständig gelobt. Dabei haben sie Sätze verwendet, die die Ziele der Kinder ansprechen und gleichzeitig die Wahrheit über die Ernährung vermitteln: „Tomaten und Paprika helfen dir nicht krank zu werden und sind gut für dein Herz“, „Von Quinoa kannst du schneller laufen und höher springen“ und „Linsen helfen dir beim Lernen und beim Wachsen“.
Erinnern wir uns nur daran, was wir von Oma immer wieder gehört haben: Spinat macht dich stark, von Karotten kannst du besser pfeifen usw. Wenn Spinat und Karotten dazu immer wieder angeboten werden, zeigt es Wirkung!

Aber zurück zur Studie: nach den sechs Wochen bekamen die Kinder einen Monat Pause. Danach prüften die Forscher das Essverhalten wieder. Die beste Wirkung hatte natürlich die kombinierte Methode von häufigem Anbieten und Lob – im Vergleich zum Zeitpunkt vor der Pause aßen die Kinder freiwillig von dem häufig angebotenen Lebensmittel 7 Gramm mehr, von dem zusätzlich angepriesenen Essen sogar 14 Gramm mehr!

Schritt für Schritt heranführen

Es bringt bereits Vorteile, wenn Kinder nur ganz wenig von einem Gericht essen. Dieses Kosten erweitert ihren Speiseplan und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sie später dieses Essen mögen werden. Ein Stück zu kosten oder zu begutachten ist besser als immer nur dasselbe angeboten zu bekommen. Dabei spielt das Vorbild der Eltern die wichtigste Rolle! Kinder sind neugierig und wollen probieren, was ihren Eltern auch gut schmeckt. Dies wirkt am meisten auf die späteren Essgewohnheiten aus.

Eine stressfreie Mahlzeit ist laut der Forscher auch hilfreich. Die Kinder sollten nicht zum Probieren gedrängt werden. Sie sollten außerdem auch anfassen, riechen oder durch andere Sinne spielerisch an das Gericht herantasten dürfen. Wenn Eltern wiederholt ihre gesunden Mahlzeiten anpreisen, werden Kinder auch neugierig. Außerdem müssen Eltern mehr Informationen über Ernährung erhalten, damit sie diese an die Kinder vermitteln können.

Natürlich hilft auch enorm, wenn du einfache Gerichte mit den Kindern gemeinsam zubereitest und die Freude am Kochen und Backen teilen kannst.

Wenn du in der Kinderplanung oder bereits schwanger bist, empfehle ich dir auch noch meinen Beitrag „Du bestimmst den Geschmacksinn deiner Kinder“.

Fazit

Gib auf keinen Fall auf und finde dich nicht damit ab, dass dein Kind einfach kein Obst und Gemüse mag. Seine Gesundheit liegt daran, was es isst und wie viel sich bewegt. Du legst die Basis für einen gesunden Lebensstil deines Kindes!
Sei ein gutes Vorbild und iss selber das, was du auch deinem Kind servieren möchtest. Hab Geduld und biete diese Lebensmittel wiederholt deinem Kind an. Preise diese Gerichte an, erzähle ihm, warum diese so gut sind.

Ich hoffe, mit dieser Studie konnte ich dir Hoffnung machen die Essgewohnheiten deines Kindes schrittweise ändern zu können. Eine gute Freundin hat es bereits mit ihrem 16-jährigen Sohn geschafft – weg von den zuckrigen Frühstückszerealien zu gesundem Haferbrei mit Nüssen und Früchten. Alle Achtung!

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